
Pressestimmen zum Vortrag Eberhard Kummers
"Fesselndes Lied von der "Nibelungen Not". [...] Da saß der Barde
[Anm.: in Soest] und sang d a s deutsche Epos überhaupt. Und das klang so fremd und fern,
so unbekannt und unwirklich, daß sich die Zuhörer in eine andere Zeit versetzt fühlten.
In eine Zeit, da Mitte und Mannestugend zählten, Gefahr und Grausamkeit zum Alltag
gehörten, in eine Zeit, da Eile und Hetze unbekannt waren und fahrende Sänger von
Heldentaten und Neuigkeiten draußen in der Welt erzählten...." (Westfalenpost)
"Spannend und meditativ zugleich". Eberhard Kummer rezitiert das
"Nibelungenlied" im Wiener Konzerthaus. Fremdartige Töne erklingen im Wiener
Konzerthaus: Der Balladensänger Eberhard Kummer singt - sich selbst auf einer Schoßharfe
begleitend - an fünf aufeinanderfolgenden Nachmittagen im Alban-Berg-Saal sämtliche 2379
Strophen des "Nibelungenliedes". [...] Wer glaubt, daß diese Art von Vortrag
fad sei, irrt: Der Text des "Nibelungenliedes" ist so plastisch, daß die
Erzählung wie ein innerer Film abläuft, bei dem die eigene Phantasie Regisseur spielt.
[...] Es bildet sich rasch ein ungewohnter Zustand heraus: Man gerät in einen angenehmen,
quasi-meditativen Zustand und kann kaum noch aufhören, zuzuhören." (Salzburger
Nachrichten)
"Eberhard Kummer mit Musik des Mittelalters".[...] So verstaubt diese
musikalischen Vorgaben zunächst wirkten, so lebendig und fesselnd erwies sich dann die
Gestaltung der fünf Textabschnitte.[...] In überzeugender Weise fand Kummer mit seinem
weichen und flexiblen Bariton eine musikalisch zeitgenössische Entsprechung: Hier setzten
sinnende Melismen Ruhepunkte, dort hämmerten markige Tonrepetitionen die grimmigen Worte
eines Hagen; an anderer Stelle nahm der Sänger durch geschmeidige Melodiebögen am
Schicksal seiner Personen teil, dann vernahm man wieder nur einen distanzierten
Sprechgesang. Diese farbige Stimmführung wurde besonders an dramatischen Stellen durch
das "Schnarren" der Drehleier ausdrucksstark ergänzt." (Kölner
Stadtanzeiger)

Über das "Nibelungenlied"
Das "Nibelungenlied" ist ein mittelhochdeutsches, ursprünglich für den
Gesangsvortrag bestimmtes Heldenepos in Strophen ("Sangversepos"). Neben den
meist auf französische Vorlagen zurückgehenden höfischen Epen eines Hartmann von Aue
oder des Wolfram von Eschenbach, entstehen in staufischer Zeit auch Epen, deren stoffliche
Grundlage alte Heldenlieder der Völkerwanderungszeit bilden.
Diese Lieder waren jahrhundertelang mündlich überliefert, von Spielleuten verbreitet
und vielfach umgeformt worden. Um 1200 verbindet ein Dichter die Lieder von Siegfried und
vom Burgundenuntergang zum Nibelungenepos. Der Dichter, er stammt aus dem bayrisch -
österreichischen Donauraum, bleibt - wie für dieses literarische Genre üblich - anonym.
Das "Nibelungenlied" ist wahrscheinlich am Hofe des Passauer Bischofs Wolfger
zwischen 1198 und 1203 entstanden. Obwohl es den Glanz und die Verhaltensweisen der
hochmittelalterlichen Welt widerspiegelt, wird in ihm die heroisch - tragische heidnische
Lebensform lebendig, in der die Gesetze der Gefolgschafts- und Sippentreue sowie der Rache
herrschen. So steht neben den höfischen Epen, die um die Frage nach dem rechten
ritterlichen Verhalten, um Minne und Gottelshuld kreisen, das düster tragische
"Nibelungenlied", in dem die Helden mit erbarmungsloser Notwendigkeit in einer
gottfernen Welt zugrundegehen.